Eröffnungsrede zur Ausstellung im Tiefen Keller Claudia Meinicke

Liebe Gäste dieser Ausstellung des Merseburger Kunstvereins e.V., deren Mitglieder sich freuen, dass Sie unter diesen besonderen Umständen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen den Weg zu uns ins Kunsthaus Tiefer Keller in Merseburg gefunden haben. Diese Ausstellung mit dem Titel “Mitteldeutsche Filmkulissen” kam auf Anregung des Fördervereins Kino Völkerfreundschaft Merseburg e.V. zustande. Jedes Jahr organisiert dieser Verein die Merseburger DEFA-Filmtage, die in diesem Jahr nicht ganz wie geplant durchgeführt werden können. Dennoch hoffen die Kunstschaffenden des Merseburger Kunstverein e.V. mit der ursprünglich als Begleitprogramm geplanten Ausstellung allen kunstinteressierten Filmfans aus Anlass des 75. Jahrestages der DEFA eine Freude zu machen. 

Die Deutsche Film AG, kurz DEFA, drehte etwa 700 Spielfilme, davon mehrere in Mitteldeutschland. Diese Ausstellung widmet sich ausgewählten DEFA-Filmen, die im Zeitraum von 1950 bis 1990/91 im Mitteldeutschen Raum gedreht wurden.

Kunstschaffende des Merseburger Kunstvereins e.V. setzten sich im vergangenen Jahr mit den Drehorten und den Inhalten dieser Filme künstlerisch auseinander. Was als Projekt des gemeinschaftlichen Schaffens gedacht war, wurde durch die CORONA-Pandemie nun zu einer Sammlung vieler Einzelprojekte. Und trotz allem Abstand, den es einzuhalten galt, hat uns diese Aufgabe doch zusammengehalten und wir sind stolz, Ihnen unsere Interpretationen zu verschiedenen DEFA-Filmen, die in der Region gedreht wurden, zu präsentieren.

Der älteste Film der Ausstellung ist „Der Rat der Götter“, der schon vor über 71 Jahren Premiere feierte. Er wurde gedreht hier in der Nähe, in den Leuna-Werken. Der Film handelt vom IG Farben Konzern und basiert auf den Akten des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses. Der ehemalige Chemiker Dr. Gunter Eckart hat sich künstlerisch mit diesem Film auseinandergesetzt. Nicht nur digital bearbeitete Fotografien der Industrieanlagen der Leunawerke, sogenannte FoDig-Arbeiten, sondern auch eine großformatige Acrylarbeit in Fluidtechnik steuert er zu dieser Ausstellung bei.

Ebenfalls in den Leunawerken gedreht wurde der Film „Spur der Steine“ mit Manfred Krug. Siegfried Eisenreich setzte sich thematisch in seinem Ölbild mit dem Film auseinander. Nicht nur der Drehort spielt eine Rolle auf seinem Werk, sondern auch Manfred Krug ist gut zu erkennen. Manfred Krug, als erfolgreicher Schauspieler der Anfangsjahre der DEFA ist mehrfach in dieser Ausstellung vertreten.

1968 entstand mit Manfred Krug in der Hauptrolle der DEFA-Film „Hauptmann Florian von der Mühle“. Drehorte waren unter anderem Naumburg und Freiburg. Der Merseburger Künstler Peter Lohse zeigt uns in seinen Pastellen und Radierungen, wie schön es in diesen beiden Mitteldeutschen Städten ist.

„Mir nach Canaillen!“ ist ebenfalls ein Film, in dem nicht nur Manfred Krug mitspielt, der in Mitteldeutschland gedreht wurde und zu dem Peter Lohse jeweils ein Pastell und eine Radierung vom Filmdrehort zeigt. Gedreht wurde dieses Film-Lustspiel in Quedlinburg.

Als einer der erfolgreichsten DEFA-Filme gilt die musikalische Komödie „Heißer Sommer“ von 1967 mit Frank Schöbel und Chris Doerk. Gedreht wurde u.a. in Leipzig. Zu sehen sind das Alte Rathaus, das Opernhaus und der Mendebrunnen. Dazu schuf Dr. Gunter Eckart ein sehr passendes Fluid-Acrylbild. Ein weiteres Acrylbild entwickelte er zum DEFA-Film „Der Tangospieler“, der u.a. auch in Leipzig entstand. Gunther Eckhardt steuert auch ein passendes, flammend rotes Bild zu dem bekannten DEFA-Indianerfilm „Die Söhne der großen Bärin“ bei.

Ihren Erfolg verdanken die vielen DEFA-Indianerfilme nicht zuletzt dem beliebten Darsteller Gojko Mitic. Claudia Gabriele Meinicke schuf für diese Ausstellung ein Portrait des Schauspielers in seiner Filmfigur „Weitspähender Falke“ aus dem Film „Weiße Wölfe“, der u.a. in einem Kalksteinbruch nördlich von Halle gedreht wurde. Claudia Gabriele Meinicke ließ sich auch von dem Film „Lotte in Weimar“ inspirieren, sich näher mit dem Film Drehort Weimar auseinanderzusetzen. Ausgestellt wird ein Aquarell vom Theaterplatz in Weimar.

Andrea Mertke zeigt neue keramische Arbeiten. Die Fantasie der Künstlerin wurde durch den Film „Anton der Zauberer“ angeregt. Der Film handelt von dem pfiffigen Automechaniker Anton Grubske, der sich in Schiebereien verwickeln lässt, Millionen verdient, im Gefängnis landet und sich nach seiner Entlassung gleich wieder als Organisationstalent bewährt.

Dr. Franz Güttel beschäftigte sich für diese Ausstellung mit den DEFA-Märchen „Frau Holle“ und „Die vertauschte Königin“ und schuf zwei treffende Plastiken. Neben seinen märchenhaften Keramiken, ausgestellt in der Vitrine, finden sich gleich daneben weitere künstlerische Interpretationen zu beliebten DEFA-Märchen an den Wänden der Galerie.

„Die Geschichte von der Gänseprinzessin und ihrem treuen Pferd Falada“ inspirierte gleich zwei Mitglieder des Merseburger Kunstvereins e.V. sich mit den Filmdrehorten auseinanderzusetzen. Während Maritta Morgner sich auf den Weg auf die Burg Falkenstein begab, um dort die besten Ansichten für ihre digital bearbeitete Fotocollage einzufangen, widmete sich Siegfried Eisenreich dem zweiten Filmdrehort, der Burg Schönfels. Aus einer Aufnahme der Burg schuf er zunächst eine Collage die er mit Cyanotypie, auch Blaudruck genannt, künstlerisch auf Papier bannte.

Ebenfalls auf Burg Falkenstein, sowie im Schloss Wernigerode und in Quedlinburg fanden Ende der 70er Dreharbeiten zu dem Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ statt. Astrid Heid widmet diesem Film ihre Arbeit mit dem Titel „Wie im Märchen“.

Ein weiteres Märchen, gedreht in Tabarz /Thüringen, wurde von Alina Benke künstlerisch umgesetzt. Sie zeigt zu diesem alten, schon 1950 gedrehten Film, Zeichnungen im Comic-Style und bringt damit eine junge Stilrichtung in diese Ausstellung ein. Sie hat sich 2021 für ein Schülerpraktikum beim Kunstverein beworben und hat an der Ausgestaltung dieser Ausstellung großen Anteil, wofür ihr an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

Zum Schluss kommen wir zu dem Film „Das Licht der Liebe“. Warum zum Schluss? „Das Licht der Liebe“ ist der jüngste Film dieser Ausstellung. Die Dreharbeiten an diesem Film begannen im Herbst 1989. Durch die Wirren der Wendejahre konnte der Film jedoch erst im Februar 1991 Premiere feiern. Im Film sieht man Aufnahmen der Südbastion, der Burgkirche und des Westtores der Filmburg Querfurt. Auf dem Ölbild von Ernst Prochnow, welches er 2020 für diese Ausstellung malte, ist das Westtor mit dem jungen Paar und dem schwarzen Reiter aus dem Film zu sehen.

Wir Mitglieder des Merseburger Kunstvereins hoffen, Sie haben Freude an unseren künstlerischen Ideen zu den DEFA-Filmen. Zur Ergänzung zeigen wir Ihnen Filmhefte, die wir beim gemeinsamen Stöbern mit Frau Thieme im Archiv von Frau Halina Czikowsky vom Förderverein Kino Völkerfreundschaft Merseburg e.V. fanden. Wir bedanken uns beim Förderverein Kino Völkerfreundschaft Merseburg e.V. ebenso für die finanzielle Unterstützung, mit deren Hilfe es uns gelang, Bildrechte für einige Filmplakate bei der DEFA-Stiftung und dem Bundesarchiv zu erwerben und diese drucken zu lassen. Danksagen möchten wir auch unserem Vereinsvorsitzenden Herrn Leidel für die Unterstützung und das Zurverfügungstellen von Rahmen und Galerieequipment, sowie seine Geduld. Allen beteiligten Mitgliedern des Kunstvereins gilt unser Dank für Ihr Engagement und die vielen schönen künstlerischen Arbeiten.

Ihnen, liebe Besucherinnen und Besucher, danken wir für Ihr Kommen und Ihr Interesse an der Ausstellung. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Kunstgenuss!

Die ausstellenden Mitglieder des Merseburger Kunstvereins e.V.

im Juni 2021