17. Merseburger DEFA Filmtage

„Aus der DEFA-Kiste“

Der zweite Tag der 17. Merseburger DEFA-Filmtage „Aus der DEFA-Kiste“, Sonnabend 11. Juni 2022

Der zweite Tag begann mit einer Verschiebung aus den 16. Filmtagen, der Wunschfilm von Regina Beyer und Volkmar Kleinert. „Das Hasenherz“ – es ist der einzige Film, in dem beide zusammengespielt haben. Es ist Regina Beyer weder anzusehen noch hinsichtlich ihrer Beweglichkeit zu merken, doch sie feierte bereits ihren achtzigsten Geburtstag. Beider Lebendigkeit sprang unproblematisch auf die Zuschauer über, die mit großem Interesse dem Filmgespräch, moderiert von Andreas Fruhnert, zu hörten. Dieses Interesse spiegelte sich gleichfalls in dem großen Andrang für ein Autogramm, was mit einem kürzeren oder gern längeren persönlichen Gespräch verbunden wurde. Ermüdungserscheinungen, wenn sie denn auftraten, wurden schauspielerisch gut überspielt. Regina Beyer war dann noch mal Gast zum Film „Seine Hoheit, Genosse Prinz“. Diesmal kein Märchen, auch wenn der Titel sich danach anhören könnte. Es ist eher eine Satire auf den Alltag im realen Sozialismus der DDR und diese hatte es nicht leicht.

Dieter Mann war zu den 9. Merseburger DEFA-Filmtagen „Mann, oh Mann, der Dieter Mann“ 2014 unser Gast. Gern hätten wir ihn noch mal zu einer Art Matinee eingeladen, er liest und wird dabei von Musik begleitet. Seine Lesungen sind für mich ein Hochgenuss der deutschen Sprache. Doch leider verstarb er in diesem Jahr. Knut Elstermann machte mich auf die Sendung Lebensläufe zu „Dieter Mann – Die Besteigung des Zauberbergs“ aufmerksam und der Regisseur und Produzent Jens-Uwe Korsowsky war von der Idee, diesen Film zu zeigen und dazu ein Gespräch zu führen sofort begeistert. Er war ebenso von der Sprache und des Spiels Von Dieter Mann angetan. Auf die Frage nach der Titelwahl für diesen Lebenslauf, verwies er auf die Lesung aus dem Zauberberg von Thomas Mann. So schwierig der Text auch ist, aber nach dem Hören durch Dieter Mann, könnte ich Lust bekommen, doch noch mal hineinzulesen.

Der Dokumentarfilm von Lutz Pehnert „BETTINA“ verbindet Archivmaterial mit Aufnahmen von heute und kommt zu der Erkenntnis, dass Bettina Wegner für das, was sie denkt und tut gestern wie heute geradesteht. Sie ist und bleibt eine kritische Begleiterin des Lebens in Ost und West, verbiegen lässt sie sich nicht. Das schreibt sich schnell, doch verlangt diese Unbedingtheit viel von einem Menschen und macht es ihm nicht leicht.

Die „Verhörten Hörer“ kamen leider nicht dazu, eine Lesung mit Klaus Feldmann zu hören, er hatte ärztliches Sprechverbot, diese Veranstaltung wird nachgeholt.

„Ete und Ali“ ein DEFA-Film über zwei junge Männer, die gute Freunde sind, dann doch nicht mehr und am Ende doch wieder. Eine Geschichte, die in jedem Land, in jeder Generation, zu jeder Zeit stattfindet. Deswegen bleibt der Film aktuell, aber historisch gesehen spannend. Für Kerstin Köritz als Moderatorin war Ete, alias Jörg Schüttauf, ein sehr gesprächiger Partner. Auch sieht Jörg Schüttauf in bestimmten Augenblicken noch heute wie ein Lausbube aus. Dass er auch anders kann, zeigte er in unserem Sonnabendabendfilm „Lieber Thomas“. Hier spielt er den Vater von Thomas Brasch, der es zum einen dem Sohn nicht leicht macht, sich mit seinen Ideen und Vorstellungen in das enge Gefüge der DDR einzuordnen und dem es zum anderen der Sohn nicht leicht machte, vom Vater verstanden zu werden. Es lässt sich im Leben nicht alles nach dem Schema, gut oder böse, schwarz oder weiß, Freund oder Feind einordnen. Doch auch der Umgang mit Vielfältigkeit will erlernt sein.

Der dritte Dokumentarfilm an diesem zweiten Merseburger DEFA-Filmtag und nicht der letzte für dieses Jahr. Und ein ganz anderer, diesmal aus der DEFA-Zeit. Gedreht wurde er 1988 zur 10. Kunstausstellung der DDR in Dresden. Porträtiert werden drei junge Künstler, eine Frau und zwei Männer, die mit sehr unterschiedlichen Mittel arbeiten. Einer ist Norbert Wagenbrett, der schon vor mehr als dreißig Jahren Porträts malte, die er lieber als Bildnisse bezeichnet. Im Gespräch mit Knut Elstermann versucht er eine Erklärung seiner Herangehensweise – wenn Maler alles aussprechen könnten, würden sie Schriftsteller werden.

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