21. Merseburger DEFA Filmtage

„21 Takte Leben – Arbeit, Aufbruch & Applaus“
10. bis 12. April 2026

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Die 21. Merseburger DEFA-Filmtage „21 Takte Leben – Arbeit, Aufbruch & Applaus“ im Rückblick

Dienstag, 7. April 2026

Zur Vernissage in die Saalesparkasse „Retrospektive – 20 Jahre Merseburger DEFA-Filmtage“ kamen vor allem diejenigen, die Besucher der Filmtage im Domstadtkino waren und sind. Erstaunlich, wer alles bereits in Merseburg war und leider nicht mehr lebt. Viele Gespräche begannen mit den Worten „Kannst Du Dich erinnern…“.

 

Freitag, 10. April 2026

Angelehnt an die Biografie von Lorenz Lochthofen zeigte der Film „Zeit zu leben“, dass persönliches Engagement und begeistert von einer Aufgabe zu sein die sprichwörtlichen Berge versetzen kann, auch die, die in der sozialistischen Planwirtschaft zusätzliche Hürden aufbauten. Marie Anne Fliegel konnte sich gut an die Dreharbeiten erinnern.

Freitag, 10. April 2026

Zum Film „Die dicke Tilla“ konnten neben den Kindern vom Bauernhof auch viele aus Merseburg-Süd begrüßt werden. Der Film zeigt sehr anschaulich, wie Freundschaften zwischen „Rivalinnen“ entstehen können, sobald Jede mehr von der anderen weiß.

 

Freitag, 10. April 2026

Im Gegenwartsfilm „Lachtauben weinen nicht“ soll ein Werkteil einer Schmelzer-Brigade geschlossen werden. Die Spannungen zwischen Arbeitern und Leitung sowie die privaten Probleme der Figuren, wie Beziehungen, Untreue und Wohnungsnot trafen beim Publikum den richtigen Nerv. Der eine oder andere erkannte sich darin wieder. Das Filmgespräch mit Barbara Trommer animierte zu aufschlussreichen Fragen der Zuschauer.

 

Freitag, 10. April 2026

Zur Eröffnung war der große Saal im Domstadtkino mit fast 250 Gästen gut besetzt. Der Förderverein hatte sich dem Thema entsprechend überlegt, dass die Mitglieder in Bauarbeiterkleidung und mit roten Helmen auftreten – kam beim Publikum gut an. Auf einem Baugerüst sitzend konnte der Schirmherr Peter Kahane die diesjährigen Filmtage eröffnen und als weiteren Gesprächspartner für Knut Elstermann seinen Sohn Tamas als Filmkomponisten ankündigen.

Der Eröffnungsfilm „Die Architekten“ begeisterte durch seine stille und doch sehr emotionale Beschreibung der letzten Jahre der DDR das Publikum.

 

Sonnabend, 11. April 2026

„Schwester Agnes“ - eine der für Agnes Kraus prägenden Rollen im DDR-Fernsehen lockte um die Mittagszeit einige Zuschauer in das Kino. Inzwischen gibt es in Anlehnung an diesen Film in einigen ländlichen Regionen wieder eine „Schwester Agnes“, die sich nicht allein um die medizinischen Belange der Einwohner sorgt.

 

Sonnabend, 11. April 2026

Der Dokumentarfilm „Stolz und Eigensinn“ zog sowohl älteres als auch jüngeres Publikum in das Domstadtkino. Für die Älteren waren es die Erinnerungen an die „Arbeit“ in der Wendezeit, die Verluste und die Erfolge, für die Jüngeren waren es die Zeitzeuginnen, die berichteten und die ihnen – vielleicht – ein reales Bild der Arbeitswelt vor 40 Jahren geben konnten. Insbesondere in der Frage, welchen Wert die Arbeit für die Einzelne und welche Rolle das „Arbeitskollektiv“ dabei hatte.

 

Sonnabend, 11. April 2026

Die Indianerfilmparodie „Sing Cowboy, sing“ lockte mit dem tschechischen Schauspieler Václav Neckář und der Schauspielerin, Sängerin und Autorin der deutschen Dialogregie, Elke Martens. Nach dem Vorfilm, der Fernsehaufzeichnung von „Krokodil Theophil“, wurde dem Publikum mit einer Krokodil-Handpuppe mitgeteilt, dass Václav Neckář krankheitsbedingt, nicht kommen konnte. Nichtsdestotrotz sorgte der Film für Lacher und auch das Filmgespräch bot viele interessante Anekdoten rund um Dean Reed, die Dreharbeiten und Informationen zum persönlichen Werdegang von Elke Martens.

 

Sonnabend, 11. April 2026

Der Defa-Dokumentarfilm „Die Karbidfabrik“ von 1988 schaffte es, den Kinosaal bis auf den letzten Platz zu füllen! Der Streifen zeigte erstaunlich kritisch die schweren Arbeitsbedingungen der Beschäftigten aufgrund der veralteten Produktionsanlagen und heftigen Umweltbelastungen in Buna. Im anschließenden Filmgespräch erinnerten die ehemalige Betriebsratsvorsitzende Ingrid Häußler und Prof. Thomas Martin von der Hochschule Merseburg sachkundig und charmant an die gigantischen Probleme der Wendezeit, aber auch an die großartigen Lebensleistungen der Beschäftigten von Buna.

 

Sonnabend, 11. April 2026

Die „Kurzfilmrolle Bundesarchiv“ beinhaltete fünf ausgewählte Dokumentarfilme, die unverfälscht und mit Originalton Ausschnitte aus der realen Arbeitswelt der DDR in den 60er und 70er Jahren präsentierten. Die Aufnahmen über Kohlelieferungen, Müllbeseitigung, Straßenreinigung und den Pankower Wochenmarkt zeigten nicht nur körperlich schwere Arbeit, sondern dokumentierten auch den oft fehlenden Arbeitsschutz, die verfallene Bausubstanz und die Lebensmittelverschwendung in den Mülltonnen. Diese Filme waren ursprünglich vor allem in Berlin als Zeitzeugnisse für spätere Generationen gedreht worden und werden nun durch das Bundesarchiv in Berlin der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Die als Filmgast eingeladene Abteilungsleiterin Petra Rauschenbach informierte engagiert und wortgewaltig über die Aufgaben des Bundesarchivs und empfahl allen Interessenten und Interessentinnen an den mittlerweile fast 400 digitalisierten Dokumentarfilmen die Adresse: www.digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de

 

Sonnabend 11. April 2026

„Sonnensucher“ ein Konrad-Wolf-Film von 1958 den fast 90 Zuschauer sahen von diesen mindesten ein Drittel die Arbeitswelt der DDR nicht erlebt haben. Sie sahen sich den Film als ein Zeitzeugendokument an. Unter diesem Aspekt liefern die DEFA-Filme interessanten Gesprächsstoff.

 

Sonnabend, 11. April 2026

„Wittstock-Dokumentation: Leben in Wittstock“

Diese Langzeitdokumentation aus dem Jahr 1983 über die Arbeit im Betrieb als auch aus dem privaten Umfeld der Textilarbeiterinnen in der Kleinstadt Wittstock lockte ca. 25 Besucher ins Kino 4. Zum Filmgespräch konnten wir den Regisseur Volker Koepp begrüßen, der interessante Einblicke in seine Dreharbeit gewährte. Er unterhält heute noch freundschaftliche Kontakte zu den Protagonistinnen des Filmes. Der besondere Reiz des Filmes besteht darin, die Entwicklung einzelner Personen über einen längeren Zeitraum mitverfolgen zu können.

 

Sonnabend, 11. April 2026

Dass es festen Zusammenhalt in der Arbeitswelt der DDR nicht nur unter Männern gab, zeigt eindrucksvoll der Film „Alle meine Mädchen“. Sicher konnten sich die meisten unserer Zuschauerinnen mit den Herausforderungen und Sorgen, aber auch dem Stolz und dem Selbstbewusstsein berufstätiger Frauen und Mütter identifizieren. Der Film bot zudem ein Wiedersehen mit vielen beliebten Schauspielerinnen der DEFA. Viola Schweizer gewährte dem Publikum im Filmgespräch einen Blick hinter die Kulissen, sodass man sich direkt in das Kollektiv versetzt fühlte. So erfuhr man beispielsweise, dass die Darsteller mehrere Tage in einem Betrieb mitarbeiten mussten, damit jeder Handgriff im Film nicht nur gespielt wirkte, sondern tatsächlich saß.

FOTOS:

Sonnabend, 11. April 2026

Unsere Podiumsdiskussion unter dem Motto „Die DDR-Arbeitswelt im Spiegel der Kunst“ zog ein interessiertes und versiertes Publikum an. Werner Popp, als Jurist eng mit den Leuna-Werken verbunden, leitete das Gespräch als Moderator und Zeitzeuge charmant, aufmerksam und sachkundig. Besonders seine erfolgreichen Bemühungen um Leunas Auftragskunstwerke verdienen Beachtung. Die Magdeburger Autorin Annett Gröschner hatte zu einer einführenden Lesung prägnante Stellen ihres Buches „Schwebende Lasten“ ausgewählt – ein Roman über eine Frau, die als Kranführerin „ihren Mann steht“ – und zog die Anwesenden damit in ihren Bann. Christel Bradler gab als ehemalige Chemikerin der Leuna-Werke einen prägnanten Einblick in die sozialen und kulturellen Beziehungen und Ereignisse in ihrer früheren Brigade. Sie ist auch in dem Dokumentarfilm „Stolz und Eigensinn“ über Frauen in Großbetrieben zu sehen. Julia Sommer, „Nachwendekind“ und Mitarbeiterin des Deutschen Rundfunkarchivs Potsdam, sah mit frischem Blick auf die Darstellung von DDR-Arbeitswelt in der Kunst und den Vergleich mit der damaligen Realität. Wissenschaftlich und persönlich deutete sie ein wachsendes Interesse an Alltag, Arbeit und Kunst in der DDR an und stellte Bezüge zur heutigen Zeit her.

Fazit: eine gelungene Veranstaltung, die gern wiederholt werden darf.

 

Sonnabend, 11. April 2026

„Marta, Marta“ ist ein Film über das Erwachsenwerden und die berufliche Orientierung mit hochkarätiger Besetzung, z. B. Marijam Agischewa. Zum Filmgespräch durften wir Walter Plathe begrüßen, der nicht nur viel über die Dreharbeiten verriet, sondern auch allerhand spannende Anekdoten aus seinem eigenen Leben berichtete und damit beim Publikum einige Lacher hervorbrachte und großen Applaus bekam.

 

Sonntag, 12. April 2026

„Johanna“ heißt die Straßenbahnfahrerin, wie die siebenteilige Fernsehserie, gedreht am Ende der DDR. Der Film kam in die Auswahl, weil unser Bürgermeister selbst ein passionierter Straßenbahnfahrer ist und er der Meinung war, die Frau mit ihrer Geschichte passt zu den Filmtagen. So gab es nach dem Film noch einen regen Austausch zum Dreh des Filmes und den Fahrerfahrungen auf einer „alten“ Straßenbahn und den modernen Niederflurbahnen.

 

Sonntag, 12. April 2026

„Der letzte Mann“

Ein Stummfilm, der mit nur zweimaligem Einsatz von Zwischentiteln auskommt, ist "Der letzte Mann". Für die Zuschauer im fast komplett gefüllten Kinosaal war es beeindruckend, die Handlung dennoch problemlos nachvollziehen zu können. Die unliebsame Kündigung älterer Mitarbeiter wurde dabei bereits vor über 100 Jahren thematisiert.

 

Sonntag, 12. April 2026

Eine zweite Kurzfilmrolle zum Thema „Arbeit“ fand ihre Zuschauer. Jürgen Böttcher, bekannt als Strawalde, durfte keine Spielfilme mehr drehen und „spezialisierte“ sich auf Dokumentaraufnahmen. Seine Kunst spiegelt sich in den direkten Aufnahmen der Menschen an ihrem Arbeitsplatz. Trotz schwerer körperlicher Arbeit und teilweise schlechten Arbeitsbedingungen – den Arbeiterinnen und Arbeitern ist ihr Stolz anzusehen.

Sonntag, 12. April 2026

Welche Rolle die Arbeit im Leben einer Frau spielte und spielt zeigt eindringlich der Film „Wilma will mehr“. Und er zeigt den Frust, den viele Frauen ausgesetzt waren, als ihre erworbenen Qualifikationen und Fähigkeiten auf einmal nichts mehr wert waren, das tat und tut sehr weh.

 

Sonntag, 12. April 2026

Hut ab, wenn du küsst

Endlich mal ein heiterer Film der DEFA aus dem Jahr 1971, der sich auf komödiantische Art mit Fragen zur Neugestaltung der Beziehungen zwischen Mann und Frau auseinandersetzt. Die selbstbewusste Automechanikerin Petra bringt nicht nur ihren Freund Fred ins Schwitzen, sondern lässt auch andere Männer charmant abblitzen! Kein typischer Film von Rolf Losansky, wie Prof. Michal Grisko im Filmgespräch feststellte, aber durch seinen hintergründigen Humor sehenswert!

 

Sonntag, 12. April 2026

Der Abschlussfilm der 21. DEFA-Filmtage „Die Entfernung zwischen dir und mir und ihr“ von 1988 bot ganz neue Facetten der damaligen Filmkunst: Junge, unverbrauchte Schauspieler und Schauspielerinnen, kreative Mode und Musik, mehrere Spielebenen, fantastische Elemente, visualisierte Gedanken. Die Zuschauer und Zuschauerinnen haben sich gern darauf eingelassen, weil der Film sicher viele von uns an unsere Jugend und den Beginn unseres Arbeits- und Familienlebens erinnert hat. Leider ist es dem Förderverein trotz aller Bemühungen nicht gelungen, einen Filmgast zu gewinnen, aber der bekannte Kulturjournalist Knut Elstermann gab eine kurze Einführung und bestimmt schaffen wir es dann in den nächsten Jahren, die Hauptdarsteller*innen nach Merseburg zu den DEFA-Filmtagen zu locken.

Sonntag, 12. April 2026

Den Abschluss der 21. Merseburger DEFA-Filmtage gestalteten Pascal von Wroblewsky gemeinsam mit dem Lora Kostina Trio mit ihrem Programm „Das DEFA-Sonbook“. Bekannte Lieder bekannter Gruppen oder Solisten im neuen Gewand begeisterten die Zuschauenden und Zuhörenden. Lieder wurden jubelnd begrüßt und der herzliche Applaus war nicht nur ein Dank an die Künstlerinnen und Musiker, er bestätigte auch, dass diese Entscheidung des Fördervereins eine richtige war.

 

22. Merseburger DEFA-Filmtage,

9. bis 11. April 2027

im Domstadtkino Merseburg

Wir sehen uns!

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