Die Merseburger DEFA-Filmtage gehören mittlerweile für viele Fans zu einem festen Höhepunkt im Terminkalender der Region. Das spricht sich herum. Im Jubiläumsjahr 2020 folgten mehr als 2.100 Interessierte der Einladung des Förderverein Kino Völkerfreundschaft Merseburg e. V. ins Domstadtkino. In fünf Teilen blicken wir gern zurück auf das kleine aber feine Filmfestival 2020.

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Teil 3: Im Austausch über Film und Geschichte

Die Spionage bildete in der Fernsehserie der DDR „Das unsichtbare Visier“ das entscheidende Thema. Im Teil „Das Wasserschloss“ ist Delmenhorst ein geheimer Tagungsort, in dem über die Aufrüstung der Bundesrepublik verhandelt wird, befindet sich allerdings an der Saale in Thüringen, es ist das Schloss Burgk. Die Serie vereinte bekannte Schauspieler der DDR. Zu Gast war in Merseburg Giso Weißbach. Er tauschte im Filmgespräch mit Barbara Kaaden vom Förderverein Kino Völkerfreundschaft seine Dreherfahrungen damals und heute aus.

„Fallada – letztes Kapitel“ ein DEFA-Film, der nicht in Mitteldeutschland gedreht wurde, sondern überwiegend in Carwitz und Teterow, heutiges Land Brandenburg, war der Wunschfilm von Jörg Gudzuhn. Bevor er von der Deutschen Kinemathek für das Domstadtkino freigegeben werden konnte, mussten erst private Rechte an zwei Musikstücken im Film geklärt werden. Zur großen Freude des Fördervereins wurden sie kostenlos gewährt. Und es lohnte sich: Jörg Gudzuhn kann Fallada in all seinen vielfältigen Facetten authentisch spielen – ein großartiger Film und Schauspieler. Marion Brasch moderierte das anschließende Filmgespräch.

„Wolz - Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten“ wurde nicht nur in unserer Region gedreht, die dahinterstehende wahre Geschichte, spielte sich im mitteldeutschen Raum ab. Erstaunlich, oder auch nicht, dass die Problematik anarchistischer Gedanken so ohne weiteres in einem DEFA-Film von 1973 gezeigt werden konnte. Er regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, was nicht Zustimmung heißt. Das Filmgespräch fand mit Heidemarie Wenzel statt und die Moderation übernahm Andreas Montag, Kulturredakteur der Mitteldeutschen Zeitung.

„Thomas Bille fragt Knut Elstermann“ – zwei Vollblutmoderatoren in einem gemeinsamen Gespräch, die „Bälle“ flogen nur so hin und her und die Zuschauer/Zuhörer hatten ihre Freude an diesem Gedankenaustausch. Grundlage für das Gespräch war der Dokumentarfilm von Knut Elstermann „So klang die DEFA“. Spannend war, dass sich beide als konservativ bezüglich der Hörgewohnheiten outeten.