Die Merseburger DEFA-Filmtage gehören mittlerweile für viele Fans zu einem festen Höhepunkt im Terminkalender der Region. Das spricht sich herum. Im Jubiläumsjahr 2020 folgten mehr als 2.100 Interessierte der Einladung des Förderverein Kino Völkerfreundschaft Merseburg e. V. ins Domstadtkino. In fünf Teilen blicken wir gern zurück auf das kleine aber feine Filmfestival 2020.

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Teil 2: Reise in die Vergangenheit

„Der Tangospieler“, gedreht u.a. in Leipzig und 1991 auf die Kinoleinwand gebracht, ist ein ruhiger Film, der jedoch ein emotional und politisch brisantes Thema der DDR-Geschichte vom Sommer 1968 aufgreift. Es geht um Demokratie in der Gesellschaft und das Verhalten des Einzelnen zu politischen Ereignissen. Im anschließenden Filmgespräch, das von Knut Elstermann gewohnt interessant und sehr themenbezogen moderiert wurde, konnte Christoph Hein seine Position zur Verantwortung und den Möglichkeiten des Einzelnen in der Gesellschaft formulieren, die er durch sein persönliches Verhalten und seine Geschichten immer wieder selbst lebt.

Auch für die DEFA-Indianerfilme bietet Sachsen-Anhalt eine nahezu „echte“ Filmkulisse. Im Film „Weiße Wölfe“ kämpft DEFA-Chefindianer Gojko Mitic mit seinen Mannen u. a. in einem Kalksteinbruch bei Halle gegen die Weißen. Diese rauben den Indianern ihr Land, um sich an den wertvollen Rohstoffen zu bereichern. Im anschließenden Filmgespräch mit Maik Reichel, Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, betont Gojko Mitic, dass dieser Landraub und die Vertreibung der Indianer oder anderer Völker kein rein historisches Thema sind. Auch heute wird Land besetzt, wenn es um die Realisierung hoher Profite Einzelner oder internationaler Finanzinstitutionen geht.

Der Film „Familie Brasch - Eine deutsche Geschichte“ eröffnete den Reigen der Dokumentarfilme zu den diesjährigen DEFA-Filmtagen. Dieser Film passte nicht nur zu den Filmtagen, weil er zum Teil in Chemnitz, damals Karl-Marx-Stadt, gedreht wurde. Er behandelt anhand einer Familiengeschichte sehr authentisch und nachvollziehbar die wechselvolle und widersprüchliche Kulturgeschichte der DDR. Die Zuschauerzahl belegt, dass viele Menschen auch oder gerade heute an diesen Themen interessiert sind. Das Filmgespräch zwischen Marion Brasch und Knut Elstermann traf ebenso den Nerv des Publikums und in der Befragung äußerten viele Besucher sich sehr positiv zur Auswahl dieses Filmes.

Ein anderes geschichtlich relevantes Thema ist im DEFA-Spionagefilm „For eyes only“ zu sehen. 1963 wurde u.a. in Leipzig gedreht, auch wenn Hansen als Kundschafter der DDR in der Dienststelle des MID in Würzburg tätig ist. Den Lügendetektor übersteht Alfred Müller, der die Hauptperson spielt, und kann in rasanter Tour die wichtigen Geheimpapiere der Amerikaner über die Grenze bringen. Im Filmgespräch, das Mirko Wiermann von der DEFA-Stiftung mit Renate Geißler führte, konnten sie gemeinsam mit den interessierten Zuschauern die Aktualität des Filmes feststellen. Für Renate Geißler war es die erste Filmrolle.