Die Merseburger DEFA-Filmtage gehören mittlerweile für viele Fans zu einem festen Höhepunkt im Terminkalender der Region. Das spricht sich herum. Im Jubiläumsjahr 2020 folgten mehr als 2.100 Interessierte der Einladung des Förderverein Kino Völkerfreundschaft Merseburg e. V. ins Domstadtkino. In fünf Teilen blicken wir gern zurück auf das kleine aber feine Filmfestival 2020.

Viel Spaß beim Lesen.

 

Teil 1: Ein gelungener Auftakt

Das Thema der 15. Merseburger DEFA-Filmtage, „Filmkulisse Mitteldeutschland“ assoziiert, dass die Filme gänzlich oder zum Teil in einem Ort in Mitteldeutschland, also in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen, gedreht wurden. Nach diesem Kriterium wurden für 2020 die Filme der DEFA bzw. des DDR-Fernsehens ausgewählt. Die Merseburger DEFA-Filmtage stellen sich mit ihrem Programm auch der Geschichte in dieser Region, demzufolge werden Filme gezeigt, die in der jüngsten Vergangenheit entstanden sind, sich aber thematisch der Geschichte zu wenden. Gemeinsam mit der Mitteldeutschen Mediengesellschaft wurde nach Filmen gesucht, die diesem Anspruch genügen, aber auch solche, die im Heute und Jetzt angesiedelt sind und durch die Gesellschaft gefördert wurden.

Zum Film „Nicht schummeln, Liebling“ konnte eine „alte“ Bekannte für das Filmgespräch gewonnen werden. Dorit Gäbler war bereits 2011 zum Film „Orpheus in der Unterwelt“ gemeinsam mit Rolf Hoppe zu Gast. Auch damals plauderte sie mit Marie Müller-Zetzsche über ihre Filmrolle bzw. -rollen zu den verschiedensten Themen und ihre Auftritte zu Solokonzerten. Beide Filme mit Dorit Gäbler sind DEFA-Musikfilme. Der diesjährige Film wurde ausgewählt, weil viele Szenen in Quedlinburg gedreht wurden. Spannend ist das vor knapp 50 Jahren behandelte Thema auch heute noch, denn der Frauenfußball ist nach wie vor bei weitem nicht so anerkannt wie der Männerfußball, und das sowohl vom sportlichen Können her als auch finanziell gesehen.

Christoph Hein ist als Schriftsteller bekannt, der schon immer aktuelle Themen aufgegriffen hat, ob das zu Zeiten der DDR war oder jetzt in der Bundesrepublik. Auch wenn er historische Themen behandelt, wie in seinem Roman „Trust“, oder scheinbar ganz persönliche wie in „Verwirrnis“ oder „Glückskind mit Vater“, er setzt sich konsequent mit den gesellschaftlichen Zuständen in der Vergangenheit und Gegenwart auseinander, stellt seine Position offen dar und scheut nicht die Auseinandersetzung. Einiges davon war in der Lesung zu den 15. Merseburger DEFA-Filmtagen zu hören. Christoph Hein las aus seinem Erzählband „Gegenlauschangriff – Anekdoten aus dem letzten deutsch-deutschen Kriege“. Trotz dem eventuell etwas ungünstigen Zeitpunkt waren viele interessierte Zuschauer erschienen und nutzten auch die Zeit, um ihre Fragen zu stellen.

Die Eröffnung wurde 2020 durch Salon Pernod musikalisch gestaltet. Ihr breites Spektrum und die professionale Art kamen beim Publikum sehr gut an. Halina Czikowsky, Vorsitzende des Fördervereins Kino Völkerfreundschaft, und Ulrich Jacobi, Betreiber des Domstadtkinos Merseburg, begrüßten die zahlreichen Gäste zur Eröffnung der 15. Merseburger DEFA-Filmtage „Filmkulisse Mitteldeutschland“. Sie dankten den vielen großen und kleinen Sponsoren, ohne deren finanziellen Zuwendungen und immaterielle Unterstützung die Filmtage in dem angebotenen Umfang nicht möglich wären. Landrat Hartmut Handschak dankte als Schirmherr dem Förderverein Kino Völkerfreundschaft für 15 Jahre kontinuierliches kulturelles Wirken, was nicht nur das kulturelle Leben in Merseburg prägt, sondern im Landkreis Saalekreis seinen festen Bestandteil hat.