12. Merseburger

DEFA Filmtage 17.-19.03.2017

 

 

 

 

Das waren die 12. Merseburger Filmtage

Halina Czikowsky

 

Die mdr-Dokumentation zu 70 Jahre DEFA „Kalaschnikow und Doppelkorn – Männer in DEFA-Filmen“ bildete den Ausgangspunkt für die Auswahl von Filmen zum Thema „Mannsbilder“. Es sollte versucht werden, das vielfältige und sich über die Jahre ändernde Bild zum „Mann“ in der DDR/DEFA aufzuzeigen. Außerdem waren bereits zwei Themen zu den Merseburger DEFA-Filmtagen  von Filmen über „Frauen“ besetzt.


„Als Mann noch Mann sein konnte“ – eine der Thesen aus der Dokumentation wurde mit dem Film „Sonnensucher“ untersetzt. Zum Film gab Dr. Wolfgang Kubak eine Einführung, in der insbesondere auf die Verbotsproblematik verwies. Ein weiterer Film, der zu dieser These ausgesucht wurde, war „Fünf Patronenhülsen“. Hier kämpfte der Mann mit dem Gewehr und unter Einsatz seines Lebens für Recht, Gerechtigkeit und Freiheit. Für das anschließende Filmgespräch konnte Ernst-Georg Schwill gewonnen werden. Das ist für Filme aus dieser Zeit, 198 und 1960, zunehmend schwierig.


„Der neue Mann in der DEFA“ – eine weitere These wird mit dem Film „Zeit der Störche“ belegt. Hier ist der Mann nicht mehr der Held, der kämpfend auftritt. Der neue Mann ist lässig, was sich auch in seiner Kleidung, Lederjacke und Jeans, spiegelt. Für ihn ist auch nicht mehr die Arbeit, die Arbeitsleistung, der Mittelpunkt seines Lebens. Eine Frau an seiner Seite führt ihn zur Arbeit und damit Zielbestimmung zurück. Aber es gibt der Frau von seiner Lebensphilosophie und bringt sie dazu, vom Leben mehr zu erwarten als Arbeit. Der Film wurde vom Regisseur Siegfried Kühn nach dem Roman von Herbert Otto mit Winfried Glatzeder gedreht. Regisseur und Hauptdarsteller konnten für das Filmgespräch in das Domstadtkino eingeladen werden. Für die Moderation konnten wir Frank Hoffmann von der Universität Bochum gewinnen. An der Universität Bochum finden alle zwei Jahre DEFA-Filmtage statt, allerdings mehr unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten und zu den 12. Merseburger DEFA-Filmtagen 2017 konnten die ersten Kontakte dank der Initiative von Andreas Möhwald aufgenommen werden. Mit in diese Reihe kann der DDR-Fernsehfilm „Egon und das achte Weltwunder“ aufgenommen werden. Ein Raufbold, der durch die Liebe geläutert wird.


Eine dritte Kategorie von „Mann“ zeigt sich in den achtziger Jahren, der resignierende Mann oder der Mann, der sich integriert hat, Teil des Systems geworden ist, das sich im Stillstand befindet. Der Eröffnungsfilm „Der Traum vom Elch“ kann zu dieser Kategorie gezählt werden. Die Frau, die nach Veränderung sucht, sich darin aufreibt, diskutiert und aufrüttelt und der Mann, der sich in seiner Lethargie gefällt oder sich gern selbst beweihräuchert („Märkische Forschungen“: lief zu den 11. Merseburger DEFA-Filmtagen 2016). Regisseur Siegfried Kühn und der männliche Hauptdarsteller Christian Steyer stellten sich den Fragen zum Thema von Moderator Knut Elstermann. Gleichzeitig gab es auch den Film „Der Hut des Brigadiers“, der als zeitlos gesehen werden kann. Hier setzt sich Einer für Gerechtigkeit ein und eckt damit nicht allein bei seinen Vorgesetzten an, auch seine Kollegen verstehen ihn nicht. Auch der Film „Coming out“ kann als eine zeitlose Geschichte erzählt werden, wie findet Jemand zu sich und stellt sich damit gegen traditionelle Rollenbilder. Oder wie schwer ist es auch heute immer noch, 28 Jahre nach Erscheinen des Filmes, zur eigenen Sexualität zu stehen, das eigene Glück nicht dem des anderen hintenanzustellen.


Wie steht die Kunst/der Künstler zur Macht/zu den Machthabern und wie ändert sich die Beziehung, wenn beide auf entgegengestellten Seiten sich wiederfinden. Tilman Riemenschneider ist dafür ein beredetes historisches Beispiel. Obwohl der Film sehr alt ist, von 1958, nur auf einer Filmrolle vorlag und diese oftmals neu zusammengesetzt werden musste, war die Aufmerksamkeit des Publikums sehr hoch, was ein hohes Zeugnis für die Qualität des Filmes ablegt. In der anschließenden Diskussion, woran der Merseburger Künstler Klaus-Dieter Urban teilnahm, wurde das außerordentliche künstlerische Meisterwerk von Riemenschneider hervorgehoben sowie sein Einsatz für die Bauern gewürdigt.
Für die Nachmittagsveranstaltungen am Donnerstag und Sonnabend wurden neu digitalisierte Operninszenierungen von Walter Felsenstein „Othello“ und „Ritter Blaubart“ gezeigt. Christoph Felsenstein, der sich für diese Rekonstruktion der Werke seines Vaters aus der Komischen Oper sehr engagiert, gab eine sehr informative Einführung in die Besonderheiten der Felsensteinschen Inszenierungen. Der Freitagnachmittagsfilm war ein Episodenfilm, der auf komödiantische Weise das Fußballfieber beleuchtete „Verzeihung, sehen Sie Fußball“.


Regisseur Gunther Scholz konnte zu diesem Filmgespräch Antwort geben, aber auch zum Film „Vernehmung der Zeugen“. Letzterer ebenfalls ein Film, der zeitlos moralische Fragen menschlicher Beziehungen aufgreift und auch von Schulklassen favorisiert wurde.


In den Filmgesprächen wurde vielfach von den Moderatoren und den Filmschaffenden in Übereinstimmung mit dem Publikum festgestellt, dass es die DEFA verstanden hat, Themen so filmisch aufzubereiten, dass sie auch heute noch Fragen aufwerfen, die von Interesse sind und auf die noch immer und immer wieder neu nach Antworten gesucht wird. Ob das Fragen der menschlichen Beziehungen wie Freundschaft oder Liebe sind oder des menschlichen Umgangs und Miteinander.
Der Abschlussfilm „Stille Reserven“ ist weder ein DEFA-Film noch befasst er sich mit dem DDR-Alltag. Er greift jedoch ein hochsensibles Thema der Technik auf, was im Grunde genommen ein Thema aus der Wertediskussion ist. Wie viel wert hat ein menschliches Leben und inwiefern ist der Mensch auch noch nach seinem Tod zu verwerten. Das Geschäft mit dem Menschen und wie lässt sich der Mensch darin einbinden.


Zu den 12. Merseburger DEFA-Filmtagen gehörte traditionell die Amateurfilmrunde, die in Kooperation mit dem Offenen Kanal Merseburg-Querfurt vorbereitet und durchgeführt wurde. Diese Kooperation sichert das studentische Interesse, denn es werden neben den Filmen „alter, gestandener“ Amateurfilmer, studentische Arbeiten vorgeführt. Gekennzeichnet ist diese Runde immer durch eine anregende und kreative Diskussion zwischen den Beteiligten.

Der Film „Zirri – das Wolkenschaf“ lief im Rahmen der Hortveranstaltung am Donnerstagnachmittag. Sehr zur Freude der Kinder aber auch der Veranstalter konnte Walfriede Schmitt am Filmgespräch teilnehmen. Die Schulveranstaltungen fanden vom 20. bis 22. März 2017 im Domstadtkino statt. Daran nehmen sowohl Schülerinnen und Schüler der Grund- als auch der Sekundarschulen, der Gymnasien und der Berufsbildenden Schulen teil.


Die Begleitausstellung im Kunsthaus Tiefer Keller wurde diesmal von den Mitgliedern des Kunstvereins Merseburg selbst gestaltet. Unter dem Thema der Merseburger DEFA-Filmtage „Mannsbilder“ wurden neuere Arbeiten, die in einem Workshop 2017 entstanden sind, aber auch ältere Arbeiten unterschiedlichster Art gezeigt.

Zu den 12. Merseburger DEFA-Filmtagen wurde 1 540 Karten verkauft, womit gesagt werden kann, dass etwa 1 800 Zuschauer im Domstadtkino waren. Im Vergleich zu den 11. Merseburger DEFA-Filmtagen 2016 sind das 77 mehr verkaufte Karten. Erwähnenswert ist diese Steigerung vor allem deswegen, weil für 2017 der Kartenpreis erhöht wurde, was alle Veranstaltungen betrifft. Für die Eröffnungsveranstaltung mussten 8,00 € statt 5,00 € in den vergangenen Jahren bezahlt werden. Alle anderen Preise stiegen um einen EUR, auch die der Schulveranstaltungen.


Von den 1 540 verkauften Karten wurden 718 an Schulklassen verkauft. Die Filme mit den höchsten Zuschauerzahlen waren „Der tapfere Schulschwänzer“ mit 319, „Zirri – das Wolkenschaf“ 290 Karten als Schulveranstaltungen und „Der Traum vom Elch“ mit 155 verkauften Karten und der Film „Zeit der Störche“  mit 126.